Die private Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung steht immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Politik, Verbraucherschützer und auch die gesetzlichen Versicherer begegnen ihr mit Skepsis. Auch wir betrachten die private Krankenversicherung kritisch. Dennoch kann es für den einen oder die andere immer wieder sinnvoll sein, die gesetzliche Krankenversicherung zu verlassen und sich privat zu versichern. Dieses gilt besonders für Beamte und Selbständige sowie alleinstehende, gutverdienende Angestellte.

Wir  werden hier die Systematik der privaten Krankenversicherung (nachstehend PKV genannt) überschlägig erläutern, was in der notwendigen Kürze natürlich nur unvollständig geschehen kann. Daher empfehlen wir immer ein persönliches Gespräch mit uns, um individuell feststellen zu können, ob der Abschluss einer privaten Krankenversicherung sinnvoll ist oder ob es besser ist, in der gesetzlichen Krankenversicherung (nachstehend GKV genannt) zu bleiben.
 
1. Die Beitragsgrundlage
In der GKV hängt der zu entrichtende Beitrag in der Regel vom Bruttoeinkommen ab. Im Rahmen der Familienversicherung sind dabei nicht erwerbstätige Familienmitglieder und Familienmitglieder mit geringfügigem Einkommen beitragsfrei mitversichert.
Anders die Beitragsbemessung der PKV. Hier richtet sich der zu zahlende Beitrag nach dem Eintrittsalter bei Vertragsabschluss, dem individuellen Gesundheitszustand und nach dem gewählten Leistungsumfang der versicherten Tarife. Für jede versicherte Person ist ein eigener Beitrag zu entrichten.
 
2. Wer kann sich in der privaten Krankenversicherung versichern?
Eine sogenannte Vollversicherung kann erhalten, wer nicht in der GKV versicherungspflichtig ist. Dazu gehören u.a. Angestellte mit einem Gehalt über der Versicherungspflichtgrenze, Selbständige, Beamte, Ärzte im Praktikum und Studenten.
 
3. Wer sollte sich nach Möglichkeit nicht über eine private Krankenversicherung versichern?
Wie wir bereits sagten, müssen in der PKV alle versicherten Familienmitglieder einen eigenen Beitrag bezahlen. Der Gesamtbeitrag kann dann schnell in enorme Höhen springen und über dem der GKV liegen. Daher kommt sicherlich für diejenigen eine PKV nicht in Frage, die einige Kinder haben. Selbst wenn Sie noch jung und ohne eigene Familie sind: Spielen bei Ihrer Lebensplanung Kinder eine Rolle, sollten Sie sich den Eintritt in die PKV überlegen, um kein unkalkulierbares Risiko einzugehen.
Für Beamte ist dieser Punkt wegen der hohen Beihilfeleistungen sicherlich differenziert zu betrachten.
 
4. Wer ist versicherbar?
Die privaten Krankenversicherer prüfen sehr genau, wen sie annehmen und wen nicht. Hatten Sie in der Vergangenheit schwere Erkrankungen? Liegen chronische Erkrankungen vor? Sind Sie zurzeit oder waren Sie in der Vergangenheit in psychotherapeutischer Behandlung? In diesen und ähnlichen Fällen ist der Abschluss einer privaten Krankenversicherung, wenn überhaupt, nur mit teilweise erheblichen Risikozuschlägen möglich.
In diesem Zusammenhang eine Bitte: Informieren Sie uns vor Beginn eines Beratungsgespräches über Vorerkrankungen, damit wir abschätzen können, ob eine private Krankenversicherung möglich ist. Übrigens reagieren die Versicherer teilweise sehr unterschiedlich auf Vorerkrankungen, so dass wir im Vorfeld bereits selektieren können. Ganz wichtig: Verschweigen Sie keine Krankheiten. Der Versicherer hat andernfalls später die Möglichkeit, den Vertrag aufgrund “vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung” zu kündigen. Ein ordentliches Kündigungsrecht hat der private Krankenversicherer bei einer sog. Vollversicherung nicht, auch dann nicht, wenn Sie später schwer erkranken.
 
5. Welche Leistungen sind versichert?
Die privaten Krankenversicherer bieten eine Vielzahl von Tarifen an, so daß eine generelle Aussage schwierig ist. Die Auswahl geht von “fast mit der GKV identisch” bis zum “Komfort­-Tarif”. Dass die Beiträge bei den unterschiedlichen Leistungsangeboten stark differieren, liegt auf der Hand. Daher ist gerade bei der PKV ein Preis-Leistungs-Vergleich äußerst wichtig.

Pauschal läßt sich sagen, daß die Leistungen der PKV im Regelfall besser als die der GKV sind. Zu erwähnen wäre die freie Arztwahl, die Behandlungen durch Heilpraktiker (nicht in allen Tarifen enthalten), bessere Zahlungen bei Hilfsmitteln (z.B. Brillen), bessere Ersatzleistungen im Zahnbereich, eine freie Krankenhauswahl und die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer mit privatärztlicher Behandlung.

Übrigens: Sollten Sie sich entscheiden, in der GKV zu bleiben, können Sie Ihren Versicherungsschutz mit Hilfe von Zusatzversicherungen ergänzen. Das ist für viele Bereiche möglich: Krankenhaus, Zahnersatz und allgemeine Ergänzung zu typischen Leistungslücken der GKV wie z.B. die Behandlung durch Heilpraktiker..
 
6. Was ist mit den steigenden Beiträgen im Alter?
Dieser Punkt ist bei Kritikern besonders beliebt. Der PKV wird vorgeworfen, junge Menschen mit billigen Prämien zu ködern und später die Prämien extrem zu erhöhen. Auch wenn die Versicherer dies nicht nach Gutdünken tun können – immerhin gibt es ein Aufsichtsamt -, bleibt die Tatsache, dass die Beiträge der PKV durchweg angestiegen sind und bei manchen Versicherern sehr deutlich.

Das hat dazu geführt, dass die Vorschriften und Regularien seit den frühen 90er Jahren deutlich verschärft wurden. Zum einen wurden die Altersrückstellungen erhöht, d.h., die jungen Versicherten bezahlen nun mehr, um ihre Beiträge im Alter finanzieren zu können. Zum zweiten wurde ein Basistarif eingeführt, in den jeder Versicherte nach gewissen Vorversicherungsfristen wechseln kann, wenn seine Beiträge zu hoch werden. Die Leistungen dieses Tarifs müssen denen der Sozialversicherung vergleichbar sein. Der Beitrag darf den Höchstbeitrag der GKV nicht übersteigen. Zum Dritten wurde schon vor Jahren ein weiterer Alterungszuschlag  von 10% eingeführt.

Wer ganz vorsichtig ist, sollte seine Beitragsersparnis monatlich anlegen, um daraus später die Beiträge zu finanzieren. Fast alle Gesellschaften bieten solche Beitragssenkungsmodelle. Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist oder man das Geld besser selber anlegt, sollte im Beratungsgespräch geklärt werden. Nützlich ist die selbst initiierte Kapitalansammlung vor allem für die, die eine Selbstbeteiligung und/oder eine lange Karenzzeit beim Tagegeld vereinbart haben.

Unser Fazit: Beide Versicherungsformen – GKV wie PKV -  können, was die Finanzierbarkeit im Alter angeht, keine gesicherte Prognose abgeben. Die Beitragsentwicklung hängt von vielen Faktoren ab: Die wichtigsten sind sicherlich die allgemein gestiegene und noch steigende Lebenserwartung einerseits und der Fortschritt in der Medizin.
 
7. Unsere Aufgabe
Wir sehen unsere Aufgabe darin, Sie fair bei Ihrer Entscheidung zu beraten. Die Wahl ist nicht immer einfach. Bringen Sie daher Zeit mit.
P.S. Wenn Sie sich für die PKV entscheiden sollten, suchen Sie nicht nur nach dem preisgünstigsten Versicherer. Viel wichtiger ist ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis und die Beitragsstabilität der letzten Jahre. Wir arbeiten mit einer Vielzahl von Versicherern zusammen und können Ihnen daher ein breitgefächertes Angebot vorlegen, aus dem Sie Ihren individuellen Versicherer auswählen können.
 
 
Die Angaben wurden nach bestem Wissen zusammengestellt. Trotzdem kann für Inhalt und Vollständigkeit keine Gewähr übernommen werden. Dies betrifft insbesondere gesetzliche Bestimmungen.
 
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